Cloud allgemein

Hetzner vs AWS: Was eine vergleichbare VM wirklich kostet (2026)

Konkrete Preise einer 8-vCPU/32-GB-Maschine bei Hetzner und AWS, plus Egress, Storage, und die Punkte, an denen der Vergleich kippt. Keine Marketing-Tabelle — eine ehrliche.

Harbinger Team13. Mai 20265 Min. LesezeitAktualisiert 13.5.2026
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Wer aus dem AWS-Universum nach Hetzner schaut, sieht zuerst die Schlagzeile: fünf- bis zehnmal günstiger. Stimmt das wirklich? Und wenn ja — für welche Workloads, und wo holt AWS den Vorsprung zurück?

Dieser Vergleich nimmt eine konkrete Konfiguration (8 vCPU, 32 GB RAM, 240 GB SSD, 10 TB Traffic/Monat, EU-Region) und rechnet alles durch. Stand der Preise: 13. Mai 2026.

TL;DR

  • Compute alleine: Hetzner CCX23 ist ca. 5–7× günstiger als AWS EC2 c7i.2xlarge in eu-central-1.
  • Egress: der eigentliche Killer für AWS. 10 TB Egress kostet bei AWS ~$880, bei Hetzner ~10 € (das ist kein Tippfehler).
  • Aber: Hetzner liefert weder Auto-Scaling-Group, IAM, KMS, CloudWatch noch Multi-AZ-Replikation im selben Datacenter. Das musst du selbst bauen oder vertikal skalieren.
  • Faustregel: Single-Tenant-Workloads, eigene Architektur, vorhersehbare Last → Hetzner. Compliance-getrieben, Multi-Region, viele Managed Services → AWS.

Die Konfiguration im Vergleich

KomponenteHetzner (CCX23)AWS (c7i.2xlarge, eu-central-1)
vCPU8 (dedicated, AMD EPYC)8 (dedicated, Intel Xeon Sapphire Rapids)
RAM32 GB16 GB ← Achtung Mismatch
Storage240 GB NVMe SSD inkl.EBS gp3 extra
Traffic (inkl.)20 TB0 GB
StandortFalkenstein (DE), Helsinki (FI), Nürnberg (DE), Hillsboro (US)Frankfurt (eu-central-1)

Wichtig: AWS c7i.2xlarge hat nur 16 GB RAM. Für vergleichbare 32 GB nehmen wir r7i.2xlarge (Memory-Optimized), der ist teurer. Wir rechnen beides.

Compute-Pricing (On-Demand)

InstanceStündlichMonatlich (730 h)Jährlich
Hetzner CCX230,0381 € / h27,83 € / Mo333,96 €
AWS c7i.2xlarge$0,3604 / h (~0,33 €)~241 €2.890 €
AWS r7i.2xlarge$0,5292 / h (~0,49 €)~358 €4.290 €
AWS Saving Plan 1y~$0,2257 c7i~151 €1.811 €
AWS Saving Plan 3y~$0,1419 c7i~95 €1.140 €

Selbst mit einem 3-Jahres-Saving-Plan liegt AWS bei c7i bei ca. 95 €/Monat — Hetzner liegt bei 28 €/Monat ohne Lock-in. Wer Memory-vergleichbar bleibt (r7i), zahlt bei AWS sogar mit 3y-Reserved noch 5× mehr als bei Hetzner.

Egress — der Punkt, an dem AWS nicht mithalten kann

10 TB ausgehender Internet-Traffic pro Monat:

AnbieterPreisstrukturKosten 10 TB
AWSErste 100 GB free; danach gestaffelt 0,090 → 0,050 $/GB~880 $
Hetzner20 TB inkl., danach 1 € / TB0 €
Cloudflare R2 (für Objektspeicher)0 $/GB Egress0 $
Backblaze B2 (S3-kompatibel)0 $ Egress bis 3× Storage0 $

880 USD vs 0 EUR. Das ist der Punkt, an dem Workloads mit nennenswertem Outbound-Traffic — Media-Serving, API-First-Apps, Backup-Empfänger — auf AWS spürbar teurer werden als die VM-Preise suggerieren.

Praktisch heißt das: bei 10 TB Egress kostet die AWS-VM allein für Traffic mehr als drei Jahre Hetzner-VM-Miete.

Storage

Storage-TypHetznerAWS
Lokales SSDinkl., 240 GB im CCX23Extra via EBS
EBS gp3 (240 GB)~22 €/Mo + IOPS-Aufschläge möglich
Backup (Snapshots)1 € / 100 GB / Monat0,05 $/GB-Monat (~12 €/Mo für 240 GB)
Object Storage 1 TB5 € (Storage Box)~24 €/Mo (S3 Standard, EU)

Auch hier: Hetzner ist günstiger bei Standard-Konfigurationen. AWS gewinnt, wenn du fein-granulare IOPS-Profile, schnelle Snapshot- Replikation über Regionen, oder Glacier Deep Archive brauchst.

Was du bei Hetzner verlierst

Damit der Vergleich ehrlich bleibt, hier was AWS bietet und Hetzner nicht:

  1. Auto-Scaling-Groups + ELB: bei Hetzner machst du das selbst mit z. B. HCloud-LB + eigenem Scale-Skript oder K3s.
  2. IAM mit Fine-Grained Roles: Hetzner-Cloud-API hat nur grobe Token-Permissions (read/write).
  3. KMS / CloudHSM: für Hetzner musst du selbst HashiCorp Vault oder eine eigene Key-Lösung deployen.
  4. CloudWatch Metrics + Alarms: Hetzner zeigt CPU/Network/Disk im Dashboard, aber kein eingebautes Alerting. Du brauchst Prometheus + Grafana oder einen externen Provider.
  5. Multi-AZ Replikation im selben Datacenter: bei Hetzner ist eine Location ein Standort — Failover machst du Cross-Location (Falkenstein ↔ Nürnberg), das hat höhere Latenz und ist nicht transparent.
  6. Reserved Capacity + Capacity Reservations: gibt's nicht. Wenn Hetzner ausverkauft ist (passiert bei GPU-Servern!), wartest du.
  7. AWS Marketplace: ein riesiges Ökosystem, das Hetzner nicht hat.

Wann lohnt sich der Wechsel von AWS zu Hetzner

Klare Hetzner-Wins:

  • Solo-Devs, kleine Teams mit < 20 VMs
  • Side-Projects, Indie-SaaS, kleinere B2C-Apps
  • High-Egress-Workloads (Streaming, API, Backup-Drop)
  • GPU-Workloads (Hetzner CCX-GPU ist konkurrenzlos in EU-Preis pro VRAM-GB)
  • DACH-Compliance (DE-Datacenter, AVV einfach)

Klare AWS-Wins:

  • Enterprise-Compliance (SOC2, PCI-DSS, FedRAMP)
  • Multi-Region-Disaster-Recovery
  • Tiefe Integration mit Datadog/Snowflake/Stripe/etc. (alle haben AWS-First-Connections)
  • Spot-/Preemptible-Pricing für Batch-Workloads
  • Managed AI-Services (Bedrock, SageMaker)
  • Wenn du Saving Plans + Spot kombiniert nutzt, schmilzt der Pro-Hetzner-Vorteil deutlich

Real-World Migration: Was kostet der Wechsel

Aus eigener Erfahrung migrieren Indie-Teams typische Workloads in 2–5 Tagen von AWS zu Hetzner:

  1. Docker-Compose oder K3s aufsetzen (1 Tag)
  2. RDS → managed Postgres bei Hetzner oder neon.tech (1 Tag)
  3. S3 → Hetzner Object Storage oder Cloudflare R2 (0.5–1 Tag)
  4. Lambda → einfache Worker-VMs oder Cloudflare Workers (1 Tag)
  5. CloudWatch → Grafana Cloud Free-Tier oder Better Stack (0.5 Tag)

Die Backbreaker sind meist: IAM-Replacement, SQS-Ersatz (NATS oder Redis Streams), und CloudFront-Funktionalität (für die ist Cloudflare die natürliche Antwort).

Faustregel zum Mitnehmen

Multipliziere deine AWS-Rechnung mal 0,2. Wenn der resultierende Wert dein Hetzner-Budget realistisch ist, lohnt der Wechsel oft. Wenn nicht — meistens, weil du tief in Managed Services oder Multi-AZ-Anforderungen steckst — bleib bei AWS, aber dreh den Kostenhebel über Saving Plans und Spot.

Quellen

Pricing-Stand: 13. Mai 2026. Provider passen Preise an — verifiziere kritische Annahmen direkt bei AWS und Hetzner.

H

Geschrieben von

Harbinger Team

Cloud-, Data- und AI-Engineer in DACH. Schreibt seit 2018 über infrastruktur­kritische Tech-Entscheidungen — keine Marketing- Folien, sondern echte Trade-offs aus Production-Workloads.

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