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Wer aus dem AWS-Universum nach Hetzner schaut, sieht zuerst die Schlagzeile: fünf- bis zehnmal günstiger. Stimmt das wirklich? Und wenn ja — für welche Workloads, und wo holt AWS den Vorsprung zurück?
Dieser Vergleich nimmt eine konkrete Konfiguration (8 vCPU, 32 GB RAM, 240 GB SSD, 10 TB Traffic/Monat, EU-Region) und rechnet alles durch. Stand der Preise: 13. Mai 2026.
TL;DR
- Compute alleine: Hetzner CCX23 ist ca. 5–7× günstiger als AWS EC2 c7i.2xlarge in eu-central-1.
- Egress: der eigentliche Killer für AWS. 10 TB Egress kostet bei AWS ~$880, bei Hetzner ~10 € (das ist kein Tippfehler).
- Aber: Hetzner liefert weder Auto-Scaling-Group, IAM, KMS, CloudWatch noch Multi-AZ-Replikation im selben Datacenter. Das musst du selbst bauen oder vertikal skalieren.
- Faustregel: Single-Tenant-Workloads, eigene Architektur, vorhersehbare Last → Hetzner. Compliance-getrieben, Multi-Region, viele Managed Services → AWS.
Die Konfiguration im Vergleich
| Komponente | Hetzner (CCX23) | AWS (c7i.2xlarge, eu-central-1) |
|---|---|---|
| vCPU | 8 (dedicated, AMD EPYC) | 8 (dedicated, Intel Xeon Sapphire Rapids) |
| RAM | 32 GB | 16 GB ← Achtung Mismatch |
| Storage | 240 GB NVMe SSD inkl. | EBS gp3 extra |
| Traffic (inkl.) | 20 TB | 0 GB |
| Standort | Falkenstein (DE), Helsinki (FI), Nürnberg (DE), Hillsboro (US) | Frankfurt (eu-central-1) |
Wichtig: AWS c7i.2xlarge hat nur 16 GB RAM. Für vergleichbare 32 GB nehmen wir r7i.2xlarge (Memory-Optimized), der ist teurer. Wir rechnen beides.
Compute-Pricing (On-Demand)
| Instance | Stündlich | Monatlich (730 h) | Jährlich |
|---|---|---|---|
| Hetzner CCX23 | 0,0381 € / h | 27,83 € / Mo | 333,96 € |
| AWS c7i.2xlarge | $0,3604 / h (~0,33 €) | ~241 € | 2.890 € |
| AWS r7i.2xlarge | $0,5292 / h (~0,49 €) | ~358 € | 4.290 € |
| AWS Saving Plan 1y | ~$0,2257 c7i | ~151 € | 1.811 € |
| AWS Saving Plan 3y | ~$0,1419 c7i | ~95 € | 1.140 € |
Selbst mit einem 3-Jahres-Saving-Plan liegt AWS bei c7i bei ca. 95 €/Monat — Hetzner liegt bei 28 €/Monat ohne Lock-in. Wer Memory-vergleichbar bleibt (r7i), zahlt bei AWS sogar mit 3y-Reserved noch 5× mehr als bei Hetzner.
Egress — der Punkt, an dem AWS nicht mithalten kann
10 TB ausgehender Internet-Traffic pro Monat:
| Anbieter | Preisstruktur | Kosten 10 TB |
|---|---|---|
| AWS | Erste 100 GB free; danach gestaffelt 0,090 → 0,050 $/GB | ~880 $ |
| Hetzner | 20 TB inkl., danach 1 € / TB | 0 € |
| Cloudflare R2 (für Objektspeicher) | 0 $/GB Egress | 0 $ |
| Backblaze B2 (S3-kompatibel) | 0 $ Egress bis 3× Storage | 0 $ |
880 USD vs 0 EUR. Das ist der Punkt, an dem Workloads mit nennenswertem Outbound-Traffic — Media-Serving, API-First-Apps, Backup-Empfänger — auf AWS spürbar teurer werden als die VM-Preise suggerieren.
Praktisch heißt das: bei 10 TB Egress kostet die AWS-VM allein für Traffic mehr als drei Jahre Hetzner-VM-Miete.
Storage
| Storage-Typ | Hetzner | AWS |
|---|---|---|
| Lokales SSD | inkl., 240 GB im CCX23 | Extra via EBS |
| EBS gp3 (240 GB) | — | ~22 €/Mo + IOPS-Aufschläge möglich |
| Backup (Snapshots) | 1 € / 100 GB / Monat | 0,05 $/GB-Monat (~12 €/Mo für 240 GB) |
| Object Storage 1 TB | 5 € (Storage Box) | ~24 €/Mo (S3 Standard, EU) |
Auch hier: Hetzner ist günstiger bei Standard-Konfigurationen. AWS gewinnt, wenn du fein-granulare IOPS-Profile, schnelle Snapshot- Replikation über Regionen, oder Glacier Deep Archive brauchst.
Was du bei Hetzner verlierst
Damit der Vergleich ehrlich bleibt, hier was AWS bietet und Hetzner nicht:
- Auto-Scaling-Groups + ELB: bei Hetzner machst du das selbst mit z. B. HCloud-LB + eigenem Scale-Skript oder K3s.
- IAM mit Fine-Grained Roles: Hetzner-Cloud-API hat nur grobe Token-Permissions (read/write).
- KMS / CloudHSM: für Hetzner musst du selbst HashiCorp Vault oder eine eigene Key-Lösung deployen.
- CloudWatch Metrics + Alarms: Hetzner zeigt CPU/Network/Disk im Dashboard, aber kein eingebautes Alerting. Du brauchst Prometheus + Grafana oder einen externen Provider.
- Multi-AZ Replikation im selben Datacenter: bei Hetzner ist eine Location ein Standort — Failover machst du Cross-Location (Falkenstein ↔ Nürnberg), das hat höhere Latenz und ist nicht transparent.
- Reserved Capacity + Capacity Reservations: gibt's nicht. Wenn Hetzner ausverkauft ist (passiert bei GPU-Servern!), wartest du.
- AWS Marketplace: ein riesiges Ökosystem, das Hetzner nicht hat.
Wann lohnt sich der Wechsel von AWS zu Hetzner
Klare Hetzner-Wins:
- Solo-Devs, kleine Teams mit < 20 VMs
- Side-Projects, Indie-SaaS, kleinere B2C-Apps
- High-Egress-Workloads (Streaming, API, Backup-Drop)
- GPU-Workloads (Hetzner CCX-GPU ist konkurrenzlos in EU-Preis pro VRAM-GB)
- DACH-Compliance (DE-Datacenter, AVV einfach)
Klare AWS-Wins:
- Enterprise-Compliance (SOC2, PCI-DSS, FedRAMP)
- Multi-Region-Disaster-Recovery
- Tiefe Integration mit Datadog/Snowflake/Stripe/etc. (alle haben AWS-First-Connections)
- Spot-/Preemptible-Pricing für Batch-Workloads
- Managed AI-Services (Bedrock, SageMaker)
- Wenn du Saving Plans + Spot kombiniert nutzt, schmilzt der Pro-Hetzner-Vorteil deutlich
Real-World Migration: Was kostet der Wechsel
Aus eigener Erfahrung migrieren Indie-Teams typische Workloads in 2–5 Tagen von AWS zu Hetzner:
- Docker-Compose oder K3s aufsetzen (1 Tag)
- RDS → managed Postgres bei Hetzner oder neon.tech (1 Tag)
- S3 → Hetzner Object Storage oder Cloudflare R2 (0.5–1 Tag)
- Lambda → einfache Worker-VMs oder Cloudflare Workers (1 Tag)
- CloudWatch → Grafana Cloud Free-Tier oder Better Stack (0.5 Tag)
Die Backbreaker sind meist: IAM-Replacement, SQS-Ersatz (NATS oder Redis Streams), und CloudFront-Funktionalität (für die ist Cloudflare die natürliche Antwort).
Faustregel zum Mitnehmen
Multipliziere deine AWS-Rechnung mal 0,2. Wenn der resultierende Wert dein Hetzner-Budget realistisch ist, lohnt der Wechsel oft. Wenn nicht — meistens, weil du tief in Managed Services oder Multi-AZ-Anforderungen steckst — bleib bei AWS, aber dreh den Kostenhebel über Saving Plans und Spot.
Quellen
Pricing-Stand: 13. Mai 2026. Provider passen Preise an — verifiziere kritische Annahmen direkt bei AWS und Hetzner.
Geschrieben von
Harbinger Team
Cloud-, Data- und AI-Engineer in DACH. Schreibt seit 2018 über infrastrukturkritische Tech-Entscheidungen — keine Marketing- Folien, sondern echte Trade-offs aus Production-Workloads.
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